04.06.10 12:03 Alter: 2 Jahr(e)

Blog Shanghai

Von: Sven

Hallo liebe Blogleser,

ich bin`s nochmal, der Sven(son)!

Eines vorweg: In diesem Blog haben wir keine gefährlichen Hunde zu erwarten, es geht nach China ;-)... BUHHH, Pfui....

Ich befinde mich gerade auf dem Flug von Düsseldorf über Schiphol/Amsterdam nach Shanghai. Der Flughafen in Amsterdam ist ja mal groß. Mein Laufweg von einem Gate bis zum anderen Gate hat so lang wie mein Flug von Düsseldorf nach Amsterdam gedauert. Weiter unten deute ich mal ganz kurz meine mögliche Laufgeschwindigkeit an. In Shanghai beginnt dann endlich wieder der Ernst des Lebens. Das erste Turnier steht vor der Tür.

Aber meine Geschichte beginnt natürlich nicht direkt mit dem Turnier, sondern bereits eine ganze Ecke früher.Ich sitze in einer Maschine, die, nur was die Größe angeht, von dem A330 getopt werden kann. Eine Treppe im Eingangsbereich, die mehr an ein Einfamilienhaus erinnert, als an ein Flugzeug. Passagieranzahl: 415. DONNER-WETTER.

Neben mir sitzen zwei Chinesinnen. Die Eine versucht mehr oder weniger unauffällig ständig auf meinen Bildschirm zu gaffen, um evtl. mitlesen zu können. Hase, kannste eh nicht, ist nicht deine Sprache! ;-) Ich bleibe aber trotzdem noch einen kleinen Augenblick bei den Beiden. Sie sind zusammen ca. 168,5 cm groß, ABER…! Es will nicht in meinen Kopf, wie 2 Zwerge seit geschlagenen acht Stunden den halben Flieger unterhalten können. Sie unterhalten sich in einer Lautstärke die nicht mehr auf  einer Skala von 1-10 zu finden ist.  Ihr erinnert euch noch an die Größe der Maschine… Und die gaaaanz Kleine pupst die ganze Zeit. Für sie wahrscheinlich ganz normal, für mich eher weniger. Sie hat nicht einmal versucht es zu vertuschen. Nein, immer raus damit. Verfliegt ja sicher in so einer großen Maschine, merkt ja keiner. Liebe Chinesinnen und Chinesen, wir können in 10.000 m Höhe nicht einfach mal ein  Fenster runterkurbeln. Lösung: Weg schnuppern,  einfach weg schnuppern. Es haben auch alle fein geholfen. Und ich weiß jetzt, dass ich ganz oft bis zu 8 Minuten die Luft anhalten kann.

Ein kleiner Zeitsprung:

Ich befinde mich bereits auf dem Rückflug von Shanghai über Peking nach Frankfurt. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Die Theorie weicht mal wieder enorm von der Realität ab. In Shanghai hat mir die nette, junge Frau am Schalter zu verstehen gegeben, dass -KEIN- Flieger in Europa landen kann. Asche-Opfer… Meine direkte, spontane, etwas naive Frage war: Auch nicht meiner??? Antwort: Nein junger (danke) Mann, auch nicht ihrer. Sie fliegen heute nur bis Peking. Oh, ich wohn ja nicht grad um die Ecke und kann grad mal mit dem Zug nach Hause. Außerdem wollte ich echt gern nach Hause. Ich habe dann auch nur eine Boardingkarte für diesen Flug erhalten. Bedeutet, in Peking mein Gepäck einsammeln und mal nachdenken.

Angekommen in Peking hab ich nochmal alles gegeben. Leider wurde ich in den ersten Momenten Opfer der chinesischen, nicht vorhandenen, Geschwindigkeit. Ich wurde in Büros geschickt, die es nicht gab, mir wurden Fragen beantwortet, die ich nicht gestellt habe etc. Doch plötzlich und absolut unerwartet stand die Lösung neben mir. Ein sehr aufgeregter Italiener, der nicht nach Italien fliegen konnte. Asche-Opfer…, man war der geladen. Jetzt festhalten: Aber hat einen Flug nach Frankfurt bekommen.

Please repeat: nach Frankfurt. Ist das nicht der Flughafen, der gesperrt sein sollte??? Der Flughafen, den ich meinen Heimatflughafen nenne????Ich bin dann mal zügig zu dem Schalter "Air China" gedüst und hab mit viel Geduld tatsächlich meinen eigentlich geplanten Flug bekommen. Problem: Boarding war bereits seit über 45 Minuten und das Gate (E 53) war mal komplett auf der anderen Seite des nicht grad kleinen Airports. Die junge Dame hat mich mit den Worten "PLEASE QUICKLY" ins Rennen geschickt. Mit persönlicher Bestzeit habe ich die Strecke hinter mich gebracht. Vielleicht hab ich dabei den ein oder anderen Einheimischen übersehen. Sorry, aber die gibt ja genug. Der Typ am Gate (es war immer noch ein Chinese - bei der Entfernung hätte es auch gut und gerne schon ein Russe oder Pole sein können) hat also auf einen deutlich angeschwitzten Deutschen gewartet, der mit raushängender Zunge nur in seinen Flieger wollte.

Im Flieger

Hier hab ich meinen Meister gefunden!!!!

Wieder hat sich ein Italiener  in mein Leben gedrängt. Ein "Schläfer". Eigentlich war ich der Meinung, dass es auf der ganzen Welt niemanden geben kann, der schneller und länger  im Flugzeug schlafen kann, als ich. FALSCH. Kurze Personenbeschreibung: Kleine, untersetzte Person. Kurzer Oberkörper, passend dazu recht kurze Beine. Bis hier könnte auch ich gemeint sein. Aber der Kollege hat deutlich mehr Haare an den Unterarmen als ich sie jemals haben werde (BITTE lieber Gott) und er hat seinen Gürtel ordentlich eng geschnallt. Ansonsten kann ich mir die Wulst über seinem Anschnallgurt nicht erklären. Außerdem kann der arme Kerl wohl seinen Mund nicht schließen. Er sitzt schon seit Stunden mit weit geöffnetem Mund neben mir und röchelt sich extrem in seine kleine Traumwelt. Wenn er wach wird, muss er vor Durst umkommen. Ich hab mal drüber nachgedacht, ihm etwas Wasser in den Mund zu spritzen. Nicht gerade um seinen Durst zu löschen, aber vielleicht lässt das GRUNZEN dann etwas nach. Aber zu viele Zeugen. Lass ich lieber.

 

Ein Anschlag auf die Gesundheit

Es gab Essen. Gut, denn ich war ja bereits seit 04:30 auf den Füßen und wir hatten bereits 16:00 Uhr. Da kann schon mal ein wenig Hunger aufkommen. Ein Tablett, mit einem (!!!!!) Brötchen drauf wurde mir gereicht. Hatte ich erwähnt, dass ich seit 4:30 unterwegs war? Relativ gierig hab ich mir das Ding geschnappt. Ich hab`s grad noch auf die Reihe bekommen "das Ding" aus der Folie zu nehmen und dann… ja und dann hab ich mal gaaaanz zart und vorsichtig einen kleinen Happen abgebissen. Freunde des guten Geschmacks…, wie lang muss ein Brötchen im Keller reifen um einen solchen Geschmack zu erlangen. Zwei Freunde von mir können mir vielleicht bei der Antwort helfen. Der eine ist Polizist und der andere ist Chemiker. Beide sind von größter Bedeutung bei der Aufklärung dieses  feigen und hinterlistigen Anschlags. Ich weiß nicht warum, aber im ersten Moment hatte ich die italienische Mafia im Verdacht.

Sollen wir mal sportlich werden???

Wer die Ergebnisse  gelesen hat, weiß, dass der Start immer ein wenig schwierig ist. Im ersten Spiel hat es mich gefreut, dass das Vorhaben, ein vernünftiges Turnier zu spielen, auch in die Tat umgesetzt werden konnte. Katrin und Ilka haben gegen die Holländer ihr erstes richtiges Spiel seit langer Zeit gemacht. Zur Freude aller wurde das Training im Vorfeld mit einem Sieg gegen die Zwei belohnt. Leider sind die beiden folgenden Spiele dann nicht mehr so erfolgreich gewesen. Unterm Strich haben wir  aber eine ganz wichtige Erkenntnis gewinnen können. Ilko ist wieder da!!! Und zusammen mit Katrin bleibt es sicher nicht bei nur einem Sieg! Wir freuen und vertrauen auf die nächsten Turniere. Wie man gesehen hat, haben auch andere Teams nicht an die Erwartungen anknüpfen können. Also alles in Ordnung. (Es steht mir allerdings auch nicht zu, die Spiele in irgend einer Art und Weise zu beurteilen. Daran möchte und werde ich mich auch in Zukunft halten.)

Randnotiz

Das Hotel war super.Das Essen, jooooaaaar, war auch ganz gut. Wenn man auf z.B. komplett zerhackte Hühnchen steht.  Hab immer nach dem Stück mit dem Auge gesucht. Leider nicht gefunden, da war wohl ein Chinese, der kein Kostverächter ist immer einen Tick schneller. Oder er wusste, wo er suchen musste.Die Betten waren grandios. Ich habe die Nächte ohne jegliche Bewegung (cool bleiben…) verbracht. Hingelegt, eingeschlafen und wieder aufgewacht.

(Kurze Zwischenmeldung: Ich glaube der Flieger brennt. Eine Hitze ist das hier, unglaublich. Und der Italiener pennt und pennt. Auch noch komplett in der gleichen Position.)

Weiter zum Zimmer: Dusche und Badewanne getrennt von einander. Aus dem Bad konnte man direkt durch ein großes, gebogenes Fenster in den Rest des Zimmers gucken. Wer das nicht mag (soll ja Situationen geben, die muss man nicht mit allen teilen) konnte natürlich einen Vorhang vorziehen.Wir hatten eine LAN-Verbindung auf dem Zimmer und mussten uns somit nicht immer in der Lobby um einen Sitzplatz prügeln, um  ins Netz zu kommen. Herrlich. Das Zimmer wurde natürlich auch gerne wieder zum Praxisraum umfunktioniert. Aus beschaulichen, liebevoll zusammengesuchten Möbelstücken (an dieser Stelle gilt mein Dank Ron, der uns sein halbes Inventar zur Verfügung gestellt hat) haben wir wieder eine traumhafte Physiobank gebastelt. Katrin hat sie am Abend dann gerne mit ein paar Kissen zu ihrer ganz persönlichen Festung umgebaut. Genau gegenüber der Zimmertür mit einem Apothkenfläschchen bewaffnet, die ich sonst zum Auswaschen der Augen (sollte sich mal der Sand verirren) verwende. Jeder, der das Zimmer betrat wurde mit einem ordentlichen Wasserstrahl und einem herrlichen Lachen von Katrin begrüßt. Da hatte wohl jemand Spaß... ;-)

Nebenkosten

Natürlich hatten wir auch Nebenkosten. Ich war mal als Schüler für einen Tag Gast in der DDR im Rahmen einer einwöchigen Klassenfahrt. Wir mussten 35 Mark (Ostmark) eintauschen. Irgendwie haben wir unsagbar viel im Vergleich zum Westen für das Geld bekommen. Ähnlich ist es in China. Eine Taxifahrt von unserem Hotel zum City-Beach (ca. 2,5-3 km) kosten umgerechnet 1€. Eine Tüte voll Kaugummis, Bonbons und Oreo-Keksen  kostet nicht mehr als etwas über 4 €. Ein großes Bier (um den Männern im Lande den Vergleich auch etwas zu verdeutlichen) kostet 50 Cent. Ich hab ja noch auf Pfand spekuliert, war aber dann doch nicht. Eine Taxifahrt von unserem Hotel bis DOWN-TOWN und zurück haben ca. 60€ gekostet. Waren aber deutlich über 140 km.

(Weiß einer von euch, wie warm es in einem Flieger werden kann, ohne dass er brennt???) Hab jetzt mal eine 2,5 Stunden Schreibpause gemacht. Hab etwas Musik gehört und einfach ein bisschen auf die Rückenlehne meines Vordersitzes gegafft. Unglaublich, hab grad mal meine linke Schulter benutzt um zu meinem italienischen Freund zu gucken. Kann man tot sein und sich die Lippen lecken? Ich hoffe nicht, aber er hat seine Sitzposition nicht verändert. Ich mach mir schon Sorgen. Hab grad mal seine Hand berührt, sie ist warm. Kann natürlich auch nur an dem Feuer das ich noch nicht entdeckt hab liegen. Ich werfe ihm gleich mal kleine Papierkügelchen in seinen Mund. Ich glaub die Anderen stört das nicht. Sie haben sich bis jetzt ja auch nicht gekümmert. Mein Nachbar zur rechten hat eine Zeitung vor sich liegen. Wenn der Italiener wach wird und die Kügelchen aus seinem Mund fallen, zeig ich einfach nach rechts. Klappt bestimmt.

Angekommen in Frankfurt ging die Reise weiter. Ich musste ja noch nach Düsseldorf, bzw. Essen. Als ich so auf meine Tasche gewartet habe (wie lang das gedauert hat, wollt ihr gar nicht wissen...) hörte ich plötzlich meinen Namen durch die Halle peitschen. Es war Helen (die gute Seele des Teams), die gerade mit ihrem Freund aus dem Urlaub kam. Es tut gut, sich mit einer Frau zu unterhalten, die nicht spuckt, pupst oder sonstige Geräusche macht. Gilt allerdings auch für Katrin und Ilka. Gemeinsam sind wir dann mit dem Zug nach Essen gefahren.

Ja und schon war wieder eine spannende und schöne Reise mit Katrin und Ilka vorbei. Ich freu mich auf das nächste Abenteuer....

Lieben Gruß,

Svenson

P.S.: Nicht alle Chinesen essen Hunde. Der Hund gilt als Delikatesse und ist damit sehr teuer. Für die meisten Chinesen Gott sei Dank zu teuer. Es sind auch nur wenige Provinzen in denen  Hunde auf dem Speiseplan stehen. Ich hab keinen gesehen! Man sollte es auch auf gar keinen Fall unterstützen. Das ist allerdings nur meine ganz persönliche Meinung.